Fest gegen Gentrifizierung in der Weisestraße

Am 21. August 2010 fand im Berliner Stadtteil Neukölln ein großes Straßenfest gegen Gentrifizierung statt. In der Weisestraße kamen, redeten und feierten über den Tag zwischen 1000 und 2000 Menschen. Das Fest kam im Viertel um die Weisestraße sehr gut an.
Schon im Vorfeld sorgte das Straßenfest für Auseinandersetzung in dem von Mietsteigerungen und Verdrängung betroffenenen Kiez. In Eckkneipen, im Supermarkt oder auf der Straße beim Plakatieren wurden die OrgansiatorInnen häufig angesprochen. Das Interesse und letztendlich auch die Beteiligung waren groß.
Die Einbeziehung vieler AnwohnerInnen und Kleingewerbetreibenden in die Vorbereitung und gutes Sommerwetter nach tagelangem Regen waren ideale Vorbedingungen für das Gelingen. Das Publikum war angenehm gemischt und wurde erst gegen Ende des Festes etwas szenelastig. Migrantische Familien, Jugendliche, aber auch hier und da ältere NachbarInnen kamen auf die Straße. Alle Balkonplätze zwischen der Selchower und der Herrfurthstraße waren ab 14 Uhr besetzt. Von Beginn an stellten Moderation, RednerInnen und MusikerInnen immer wieder klar, dass effektiver Widerstand gegen Angriffe von HausbesitzerInnen und Bezirk in Form des Quartiersmanagements am besten gemeinsam geleistet wird.
Nachmittags fand ein mehrstündiges Kinderfest statt, mit Dosenwerfen, Torwandschießen, Schminken sowie Ausmalen und Basteln. Das Bühnenprogramm war breit gefächert: Berlin Boom Orchestra (Ska/Reggae), TFS (Rap), Müllsch (Metal Punk), Yok (Pocketpunk mit Quetsche), Inara (Bauchtanz), Extreme Magenprobleme (Noise Performance).
Über zwanzig politische Gruppen zu den Themen Existenz und Mieten, zu Repression und politischen Gefangenen, antirassistische Initiativen sowie TierrechtlerInnen und anarchistische Gruppen oder Antifas hatten gut besuchte Informationsstände und hielten auch teilweise Redebeiträge von der Bühne. Die Stadteilinitiative hatte Stellwände mit einem historischen Abriss der Stadtteilarbeit der letzten 30 Jahre erstellt, machte auf die Politik des Quartiersmanagements aufmerksam und thematisierte die rassistische Task Force Okerstrasse.
Ein weiterer Schwerpunkt war die staatliche Repression und Polizeigewalt, die in den letzten Jahren überall in Berlin eskaliert ist. Ein lokaler Fall, nämlich die Erschießung des Neuköllners Dennis J. macht das besonders brutal deutlich. Am Stand der Gefangenen-Hilfe hingen mindestens 20 aktuelle Fälle von politischen Gefangenen. Teile der Erlöse des Bierausschanks und des Grills gingen an politische Gefangene im Baskenland.
Es gab eine rege Beteiligung von unabhängigen Gruppen aus dem Kiez. Erfreulicherweise wagten sich die profesionellen Kiezstrategen à la Schmiedeknecht und deren Quartiersmanagement oder der rechtspopulistischene Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky (SPD) nicht hier her. Auch die AnwohnerInnen beteiligten sich. Viele brachten von sich aus Essen mit und leisteten eigene Beiträge. Durch ausführliche Informationsarbeit im Vorfeld musste nicht ein Auto abgeschleppt werden.
In den Tagen nach dem Fest fanden überall in der Umgebung Gespräche und Austausch statt. Erste Treffen zu konkreten Problemen haben bereits begonnen. Ein Straßenfest gegen Gentrifizierung kann allerdings selbst Teil der Aufwertung werden und damit armutsbedingte Vertreibung befördern, wenn es nicht den Widerstand gegen kapitalistische Umstrukturierungsprozesse unterstützt und bei der Vernetzung Betroffener mithilft. Dessen sind sich die Veranstalter bewusst und werden versuchen, dies bei einem eventuellen Fest im nächsten Jahr zu berücksichtigen.
Die veranstaltenden Gruppen.
entnommen aus: RandNotizen 3 – Stadtteilzeitung aus dem Schillerkiez November 2010

Ablaufplan 2010
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14:00 Berlin Boom Orchestra
15:45 Bauchtanz
16:30 TFS
17:30 MÜLLSCH
19:00 YOK
20:45 EXTREME M.P.
Danach DJ bis 22:00 Uhr
+ anschliesend Party im Syndikat

Linkliste der beteiligten Gruppen & Übersicht der Infostände im jahre 2010
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Die Lunte – Stadtteilladen in der Weisestraße

Syndikat – Kneipenkollektiv

Lange Nacht – Kneipe

Berliner Mumia Bündnis

Weise 53

Radio Metropolis

Infostände unter anderem von folgenden Gruppen:
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Rote Hilfe Berlin

Berliner Tierbefreiungs-Aktion

Anarchist Black Cross Berlin

Berliner Mumia Bündnis

Berlin Fabrik

Querkopf

Bürgerinitiative Luechow-Dannenberg

Netzwerk für politische Gefangene

Erwerbslosentreff + weiter Gruppe

Integration-nein-danke

Tempelhof für Alle

NK 44

Anarchistische Medien Gruppe

Autonome Demosanis

Anarchistische Föderation Berlin

Anarchist_Innen aus deiner Umgebung

Anarchistischer Infoladen Köpi

Anarchistische Mediengruppe

SpreepiratInnen

Bündnis Mietenstopp

Intersquat

A.R.I. (Dokumentationsgruppe)